Die Geschichte des Bürgerhauses Horstmar
In mehr als 118 Jahren hat sich das ehemalige Zechen-Casino zu dem entwickelt, was heute das Bürgerhaus Horstmar ist – ein lebendiger Treffpunkt für Menschen aus Horstmar und den angrenzenden Stadtteilen. Kunst, Sport, Kultur, Begegnung und gemeinsamer Austausch haben hier ihren festen Platz.
Wenn man einem Gebäude einen Lebenslauf geben könnte, würde der des Hauses an der Lanstroper Straße 6 in Lünen-Horstmar von einem bewegten und abwechslungsreichen Leben erzählen.
Im Laufe seiner Geschichte erfüllte es ganz unterschiedliche Aufgaben und war immer wieder ein Spiegel der Veränderungen in Horstmar.
Vom Zechen-Casino zum „Reformhaus“
Erbaut wurde das Gebäude im Jahr 1908 von der Harpener Bergbau AG. Es diente zunächst als Casino für die Beschäftigten der nahegelegenen Zeche Preußen II.
Geprägt war das Casino von den Ideen der Lebensreformbewegung, die um die Jahrhundertwende von England nach Deutschland gelangte. Im Mittelpunkt stand der Wunsch nach einer gesünderen und bewussteren Lebensweise. Die damaligen Horstmarer gaben dem Gebäude deshalb kurzerhand den Namen „Reformhaus“.
In den folgenden Jahrzehnten wechselte die Nutzung mehrfach. Zwischenzeitlich nutzte die evangelische Kirche das Gebäude als Gemeindehaus.
Von 1952 bis 1962 diente es als Schlaf- und Wohnstätte für Bergbaulehrlinge. In dieser Zeit wurde das Gebäude im Jahr 1954 um einen zweigeschossigen Anbau erweitert.
Nach der Schließung des Knappenheims im Jahr 1962 fanden dort zunächst im Bergbau beschäftigte Gastarbeiter eine Unterkunft. Anschließend stand das Haus mehrere Jahre leer und war zunehmend dem Verfall ausgesetzt.
Der Weg zum Bürgerhaus
Erst 1984 kam wieder Bewegung in die Geschichte des Hauses. Zwischen der Stadt Lünen und der damaligen Eigentümerin, der Harpener Bergbau AG, begannen erste Gespräche über einen Verkauf.
Bereits ein Jahr später, 1985, ging das Gebäude schließlich in den Besitz der Stadt Lünen über. Damit war der Weg frei für eine neue Nutzung: Es sollte ein Bürgerhaus entstehen, das den Menschen aus Horstmar und den angrenzenden Stadtteilen als Begegnungs- und Kommunikationsstätte zur Verfügung stehen sollte.
Die offizielle Einweihung des Bürgerhauses fand vom 27. bis 29. März 1987 statt. Das abwechslungsreiche Programm umfasste eine feierliche Übergabe mit Festansprachen, Informationen über die Angebote des Bürgerhauses und der Volkshochschule, einen Tag der Horstmarer Vereine sowie einen kulturellen Familiennachmittag.
Bürger engagieren sich für ihr Bürgerhaus
Doch auch die Zukunft des Bürgerhauses war nicht immer gesichert. Nachdem die Stadt Lünen mehrere öffentliche Einrichtungen geschlossen hatte, wurde aus Kostengründen auch eine Schließung des Bürgerhauses Horstmar in Erwägung gezogen.
Diese Pläne stießen bei den Horstmarer Bürgerinnen und Bürgern auf große Wut und Empörung. Spontan formierte sich Widerstand. Es kam zu Protestveranstaltungen in Horstmar und sogar in der Lüner Fußgängerzone.
Der Wunsch, das Bürgerhaus zu erhalten, führte schließlich zu einem entscheidenden Schritt: Am 15. März 2000 wurde bei einer öffentlichen Versammlung im Bürgerhaus der „Verein der Förderer und Freunde des Bürgerhauses Horstmar e. V.“ gegründet. Damit sollte eine wichtige Voraussetzung geschaffen werden, um den Betrieb des Bürgerhauses auch in Zukunft zu sichern.
Zum ersten Vorstand gehörten Hans-Jörg Hebebrand und Michael Zawisch als Vorsitzende, Ernst Deppe als Schatzmeister und Nina Krischer als Schriftführerin.
Doch mit dem Förderverein allein war das Ziel noch nicht erreicht. Für die weitere Trägerschaft des Bürgerhauses musste zusätzlich ein eigener Trägerverein gegründet werden.
Am 27. September 2000 fanden sich schließlich sieben engagierte Menschen zusammen, die bereit waren, Verantwortung für die Zukunft des Bürgerhauses zu übernehmen und den Trägerverein für das Bürgerhaus Horstmar zu gründen.
Zum ersten Vorsitzenden wurde Hans Keller, zum zweiten Vorsitzenden Karl Menzel gewählt.
Damit begann ein neues Kapitel in der inzwischen mehr als hundertjährigen Geschichte des Hauses: Aus dem ehemaligen Zechen-Casino war endgültig ein Bürgerhaus von Bürgern für Bürger geworden.